HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Plan: Bau eines neuen Kohlekraftwerks mit zwei Blöcken
Investor: Dong Energy (dänisches Staatsunternehmen)
Typ: Steinkohleverbrennung
Investitionssumme: ca. 2,5 Milliarden Euro
CO2-Ausstoß: 9 Mio. Tonnen pro Jahr. Aktueller CO2-Ausstoß vom gesamten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern: 13 Mio. Tonnen
Leistung: 2 x 800 MW, Wirkungsgrand: 46%, keine Kraft-Wärme-Kopplung
Geplante Fertigstellung: 2012 (ist aufgrund des Protestes und technischer Schwierigkeiten nicht mehr zu erreichen)

Klimakiller Kohlekraft
Um die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen und so einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern, müssen die Industrieländer ihre Treibhausgas-Emissionen massiv reduzieren. Daher sehen die Klimaschutzziele der Bundesrepublik Deutschland vor, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieversorgung bis 2020 auf 30%, bis zum Jahr 2050 sogar auf 50% ausgebaut wird. Gemäß der Leitstudie 2008 des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit können diese Klimaziele nur erreicht werden, wenn keine weiteren Kohlekraftwerke mehr gebaut werden. Das geplante Kraftwerk in Lubmin ist mit 9 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß jährlich ein Klimakiller der Extraklasse. Dadurch würden sich die CO2-Emissionen Mecklenburg-Vorpommerns auf einen Schlag beinahe verdoppeln.

Arbeitsplätze gefährdet
Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne sind saubere Alternativen zu Kohlestrom und schaffen eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze. In dieser Branche sind die Beschäftigungszahlen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Das Steinkohlekraftwerk in Lubmin würde gerade einmal 140 dauerhafte Arbeitsplätze schaffen. Dem gegenüber stehen über 7000 Arbeitsplätze, die bis 2020 in Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der erneuerbaren Energien entstehen könnten. Außerdem werden zahlreiche bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Dies betrifft ungefähr 8000 Menschen, die im Tourismus tätig sind, ebenso wie die in der Kutter- und Küstenfischerei Tätigen.

Gesundheits- und Umweltschäden
Das Kohlekraftwerk, das ohne Kraft-Wärme-Kopplung geplant ist, speist seine gesamte Abwärme in die Ostsee ein. Dies führt zu einer starken Erhöhung der Wassertemperatur im Greifswalder Bodden. Dadurch ist eine Vielzahl von Naturschutzgebieten mit seltenen und schützenswerten Pflanzen- und Tierarten massiv bedroht. Das Landesministerium für Gesundheit und Umwelt warnt vor der Ausbreitung der für den Menschen gefährlichen Bakterienart Vibrio vulnificus im küstennahen Wasserbereich. Die Anwohner sind einem erheblichen Gesundheitsrisiko durch den Ausstoß von 800 Tonnen Feinstaub und 500 kg Quecksilber pro Jahr ausgesetzt.

Mehrheit lehnt Kraftwerksbau ab
Laut einer Umfrage von Infatest-dimap im Mai 2009 lehnt die breite Mehrheit der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern den Bau des Kohlekraftwerks ab, über die Parteigrenzen hinweg. Gegen das Kohlekraftwerk in Lubmin wurden 8900 Einwendungen von BürgerInnen getätigt – damit startete im Herbst 2008 das größte öffentliche Erörterungsverfahren in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern. In den drei Wochen der Erörterung wurden erhebliche Mängel und Probleme des Kraftwerkes festgestellt. Seit Jahren kämpfen in Lubmin, Greifswals, Rügen und Usedom vier Bürgerinitiativen gemeinsam mit dem BUND und dem WWF gegen den Kraftwerksbau. Im Sommer haben sich die Klimapiraten der Bewegung gegen das Kohlekraftwerk Lubmin angeschlossen.

DONG Energy
Zahlreiche Proteste gegen die klimaschädlichen Investitionspläne von DONG Energy haben dieses Jahr dazu geführt, dass das Unternehmen im Oktober 2009 die Pläne für andere neue Kohlekraftwerke in Deutschland (Emden), Schottland und England zurückgezogen hat. Der dänische Konzern möchte den Anteil der Erneuerbaren Energien an der eigenen Stromproduktion von derzeit 15% auf 85% erhöhen. Am Bau des Steinkohlekraftwerks in Lubmin hält DONG jedoch bislang fest.

Mehr Informationen
Nähere Informationen erhalten Sie bei der Allianz der Bürgerinitiativen Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin.